Der heutige Tag heißt Karsamstag und nicht Ostersamstag; der ist, nach kirchlicher Lehre, der Samstag in der Osterwoche.
Leere macht sich breit in der Kirche. Keine Kerzen, keine Blumen, ein ungedeckter Altar, keine Glocken, ein ungeschmücktes Kreuz. Heute findet keine Hl. Messe statt – erst bei Dunkelheit die Osternacht.
Am Morgen gibt es die Trauermette – einen Gebetsgottesdienst. In manchen Kirchen gibt es ein „Heiliges Grab“ – ein Zeichen für Jesus, der tot im Grab liegt. Was heißt das für uns heute, dass Jesus gestorben ist und er im Grab liegt, das mit einem großen Stein verschlossen ist? Für die Jünger damals war das klar: enttäuschte Hoffnungen, Trauer, Wut, keine Heilungen mehr, keine Predigten mehr vom Himmelreich. Ende! Tot ist tot – nichts mehr! Klar, wir wissen mehr, sind gedanklich schon beim morgigen Osterfest – es gibt viel vorzubereiten für die nächsten beiden Tage.
Ich möchte euch/Sie trotzdem einladen, bei dem Gedanken zu bleiben, der den heutigen Tag prägt, und die Leere auszuhalten, die darin spürbar wird. Vielleicht auch eine Kirche zu besuchen am Vormittag, wo noch kein hektisches Treiben für die Osternacht begonnen hat. Ich lade euch/Sie ein, zu erleben: Der Tabernakel ist leer, der Altar nackt – da ist allein das Kreuz, das an den gestrigen Karfreitag erinnert.
„Gott ist tot“, das denken viele Mitmenschen. „Wir brauchen keinen Gott“, ist die Erfahrung Vieler, „wir brauchen niemanden, der uns rettet, es ist eh nichts mehr zu retten!“ Wir erinnern uns am Karsamstag, dass Jesus im Grab war, und wir wissen, dass Gott ihn herausgerufen hat aus dem Grab. Wir glauben an einen Gott, der lebt und lebendig macht, der auch uns herausruft zum Leben, wie es die Jüngerinnen und Jünger erlebt haben. Uns bleibt das Wort Jesu: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24)
Peter Jansen, Köln |