Teuerung, Krieg vor Europas Grenzen, Streit über Migration, Druck am Wohnungsmarkt, neuer Kriegsausbruch im Nahen Osten – auch mitten unter uns ist Angst spürbar. Sie sitzt am Küchentisch, bestimmt Schlagzeilen, gewinnt Wahlen. Und ja: Viele Sorgen sind berechtigt. Wer nicht weiß, wie sich die nächste Miete ausgeht, braucht keine Vertröstung.
Aber Angst hat eine Dynamik. Sie verengt den Blick. Sie sucht Schuldige. Sie verwechselt Härte mit Stärke. Und sie gewöhnt uns daran, Menschen zuerst als Risiko zu sehen.
Auch wir als Kirche sind nicht immun gegen diese Logik. Auch wir können kleiner denken, als es dem Evangelium entspricht.
Ostern setzt hier an.
Jesus wurde nicht getötet, weil er harmlos war. Er wurde hingerichtet, weil er ein anderes Verständnis von Macht lebte: Nähe statt Abschottung, Barmherzigkeit statt Ausgrenzung. Er hat Menschen nicht auf ihre Fehler reduziert. Das Kreuz ist das Ergebnis einer Politik, die Ruhe wollte – um jeden Preis.
Und dann dieser Satz: „Fürchtet euch nicht.“ Es waren seine ersten Worte als Auferstandener, gerichtet an Menschen, die sich ängstlich eingesperrt hatten. Kein Trostpflaster, sondern eine Zumutung: Lasst euch nicht von der Angst regieren.
Ostern behauptet: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Darum muss auch die Angst nicht das letzte Wort haben. Das ist keine Naivität, sondern eine widerständige Freude: dass Vertrauen stärker sein kann als Zynismus, dass ein Neuanfang möglich bleibt.
Für uns heißt das: Probleme klar benennen – ja. Aber nicht zulassen, dass Angst unser einziges Entscheidungskriterium wird. Sonst verlieren wir unsere Großzügigkeit. Und am Ende uns selbst.
Ostern traut uns mehr zu.
Angst ist laut – aber sie ist nicht auferstanden.
Gerald Gump, Pfarrer in Wien, Bundespräses Kolping Österreich |