Der Dienstag der Karwoche liegt im Schatten des Weges Jesu nach Jerusalem. Die Evangelien erzählen, wie er in diesen letzten Tagen noch lehrt, mahnt, heilt und sich zugleich immer tiefer auf das Geheimnis seines Leidens einlässt. Die Stimmung verdichtet sich: Der Weg zum Kreuz wird unumkehrbar.
Es ist ein stiller Zwischentag – ein Atemzug zwischen der jubelnden Menge des Palmsonntags und der nahen Nacht des Verrats. Auch Jesus geht durch diesen Dienstag: entschlossen, gesammelt, im Wissen um den Willen des Vaters. Er trägt die Spannung zwischen Nähe und Ablehnung, zwischen der Sehnsucht Gottes nach uns und der Härte des Weges, der vor ihm liegt.
Wir haben eine Ahnung von solchen Tagen: Tage, an denen Entscheidungen heranreifen und unser Leben sich leise ausrichtet. Tage, an denen wir – wie Jesus – im Vertrauen weitergehen müssen, noch ohne zu wissen, wie es ausgeht.
Gerade in diesen Zwischenräumen zeigt sich das Evangelium: Gott bleibt. Er ist der Immanuel – Gott mit uns – auch im Schweigen, auch im Warten, auch im Noch‑Nicht.
Dieser Dienstag lädt ein, hinzuhören: Was steht vor mir? Was drängt mich? Welcher Weg ruft mich – vielleicht sogar Gottes Weg mit mir?
Gott geht mit auf dem Weg der Entscheidung.
Er lässt uns nicht allein – so wenig, wie er Christus auf dem Weg zum Kreuz allein ließ.
Esther Dufner, Köln |