Es gab Zeiten, da war man stolz auf tausende „Facebook-Freunde“. Viele davon kannte man gar nicht – und doch hieß es: Freund. Dabei ist Freundschaft weit mehr als ein Gefühl oder ein digitaler Kontakt. Sie ist ein tragendes Fundament des Lebens. Sie gibt Halt, vertieft Freude und bewährt sich besonders in schweren Zeiten. Echte Freundschaft wächst nicht durch Likes, sondern durch gemeinsam bestandene Tage.
Die Bibel erzählt von solcher Freundschaft: David und Jonathan verband tiefe Loyalität – stärker als Herrschaftsinteressen oder Machtstreben. Ruth bleibt Noomi treu und sagt: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.“ Verbundenheit, die trägt – über Unsicherheit und Verlust hinaus.
Jesus geht noch weiter: „Niemand hat größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh 15,13). Freundschaft bedeutet Hingabe, Vertrauen und Verlässlichkeit. Sie ist keine beiläufige Bekanntschaft, sondern eine Entscheidung füreinander.
Auch Adolph Kolping dachte so. Für ihn war Freundschaft Grundlage einer gerechten Gesellschaft. Seine Gesellenvereine waren Orte echter Gemeinschaft. Man stand füreinander ein, ermutigte sich, trug Lasten gemeinsam. Nicht zufällig sprechen wir bis heute von Kolping-Schwestern und -Brüdern.
„Einer trage des anderen Last“ (Gal 6,2). Freundschaft heißt: da sein, ehrlich sein, einander stärken. Mehr als ein Klick. Ein Stück gelebtes Evangelium – mitten im Alltag.
Gerald Gump, Pfarrer in Wien, Bundespräses Kolping Österreich |