Manche Mitchristen meinen, dass der Glaube immer mehr verschwindet. Er löse sich zunehmend in Luft auf, bis er bald gar nicht mehr da sei. Das sorgt sie sehr. Auch um ihres eigenen Glaubens willen: Können Christinnen und Christen nicht mehr mit anderen Glaubenden zusammenkommen, fehlt ihnen das gemeinschaftliche Glauben und die Glaubenskraft, die aus Gemeinschaft, Gebet, Gottesdienst erwächst.
Wenn mich selbst diese Stimmungslage überfällt, denke ich an ein Gedicht des evangelischen Pfarrers Lothar Zenetti (geboren vor 100 Jahren). Im Gedicht heißt es, dass „der Glaube verdunstet“. Doch das ist nicht traurig, sondern ermunternd gemeint: Verdunstet Wasser, so ist es nicht mehr in einer Schale gefangen, sondern rundum als Dampf anwesend. Bekommt der Dampf nun einen passenden Andockpunkt, wird er wieder zu Wassertropfen und sichtbar.
Mir gibt das Gedicht den Impuls: „Burkhard, verzichte auf deine Untergangsgedanken! Baue einen Andockpunkt auf“. Der Aufforderung folge ich gern in meinem Ehrenamt. Es sind kleine Dinge, die ich anbieten kann. Doch gilt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
Auch Sie sind/du bist ein Andockpunkt und können/kannst Mitchristen versammeln, um Lebens- und Glaubenserfahrungen zu erzählen und zu bedenken, miteinander aktiv für andere zu sein, gemeinsam zu beten, zu singen, Gottesdienst zu feiern.
Burkhard R. Knipping, Pulheim |