Seit einiger Zeit begleitet mich dieser kleine, große Spruch: „Deus providebit.“ – „Gott wird sorgen.“ Das Wort vom Gottvertrauen, das der selige Adolph Kolping uns buchstäblich in Stein gemeißelt auf seiner Grabplatte hinterlassen hat. Kein Spruch, der vertröstet. Kein billiger Trost. Sondern ein Bekenntnis. Ein Lebenszeugnis. Eine Einladung.
Es kommt mir vor, dass wir das heute dringend brauchen: ein Vertrauen, das nicht aus Naivität wächst, sondern aus Erfahrung.
„Gott wird sorgen“— das klingt so schlicht. Fast zu schlicht für unsere komplizierten Wege, unsere Fragen, unsere Unsicherheiten. Und doch: Gerade wenn die Arbeit groß ist, wenn der Weg weit wird, wenn der Ausgang ungewiss bleibt, dann stellt sich diese eine leise, ehrliche Frage:
Glaube ich das wirklich?
Glaube ich, dass Gott sorgt — nicht nur im Allgemeinen, sondern für mich?
Glaube ich, dass er Wege kennt, wo ich keine mehr sehe?
Glaube ich, dass er trägt, wenn meine Kraft versiegt?
Es ist ein Vertrauen, das uns gerade dann herausfordert, wenn wir an die Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten stoßen. Wir leben in einer Welt, die uns oft einflüstert: „Du musst es allein können. Du musst stark sein. Du musst beweisen, dass du genügst.“
Doch „Deus providebit“ sagt etwas anderes: Du musst nicht alles selbst tragen. Du darfst tun, was du kannst — mit Hingabe, mit Liebe, mit deinem begrenzten Können und deinem manchmal unruhigen Herzen.
Und dann darfst du es Gott hinhalten. Wie ein Kind, das seine Hände öffnet und sagt: „Das habe ich heute für dich. Bitte segne es.“
Gott wird sorgen.
Esther Dufner, Köln |