Autor/in: Michael Inden, Diözesanpräses der KAB im Erzbistum Köln
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30. März 2026

 
Für die Karwoche
 

Gott, der den Himmel geschaffen hat und der Erde Atem gibt, spricht – und sein Wort gilt nicht den Starken, sondern denen, die kaum noch gehört werden. Jesaja (42,5a.1-5) zeichnet das Bild eines Knechtes, der das Recht bringt, ohne zu schreien, ohne zu brechen, ohne niederzutrampeln. 

Ein Gegenbild zu unserer lauten Welt, die Aufmerksamkeit mit Macht verwechselt und Erfolg mit Rücksichtslosigkeit. Wir leben in einer Zeit, in der Menschen ausgebrannt werden wie Ressourcen. Wer nicht mithalten kann, fällt durchs Raster: prekär Beschäftigte, Geflüchtete, Pflegebedürftige, überforderte Familien. Geknickte Halme überall – doch zu oft treten wir achtlos darüber hinweg. Systeme funktionieren, aber Menschen zerbrechen. 

Der Gott bei Jesaja sieht anders hin. Er öffnet Augen, befreit Gefangene, bringt Licht in das, was wir lieber im Schatten halten: ungerechte Arbeitsbedingungen, soziale Kälte, die stille Gewalt der Gleichgültigkeit. Fasten heißt dann mehr als Verzicht auf Gewohntes. Es heißt, den Blick zu schärfen für das Unrecht, das wir normal nennen. 

Vielleicht beginnt echte Umkehr dort, wo wir aufhören, Stärke zu bewundern, und lernen, das Verletzliche zu schützen. Wo wir leiser werden, damit andere überhaupt gehört werden können. Gottes Geist drängt nicht nach oben – sondern dorthin, wo Menschen wieder aufrecht stehen lernen müssen.

Michael Inden, Diözesanpräses der KAB im Erzbistum Köln

 
 
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