Autor/in: Karola Hackenbracht, Köln
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14. März 2026

 
Für wen mache ich das hier eigentlich?
 

Der Gedanke kam mir gestern, als ich mich über jemanden geärgert habe. Jemand hat meine Erwartungen enttäuscht. Etwas nicht geschafft, von dem ich überzeugt war, dass es eigentlich selbstverständlich wäre. Jemand war unzuverlässig in einem Moment, in dem ich ihn gebraucht hätte.

Und sofort war er da, dieser Satz in meinem Kopf:
„Für wen gebe ich mir eigentlich so viel Mühe? Tut doch sonst auch keiner.“

Ein unangenehmer Gedanke. Aber auch ein verführerischer. In ihm steckt dieser leise Stolz: „Das hätte ich besser gemacht.“

Genau an solche Momente erinnert mich das Evangelium dieses Tages (Lk 18,9-14). Da stehen zwei Menschen im Tempel. Der eine zählt auf, was er alles richtig macht und dankt Gott dafür. Der andere, der Zöllner, bringt kaum mehr zustande als einen kurzen Satz: „Gott, sei mir gnädig.“

Es wäre sehr leicht, mich selbst sofort auf seine Seite zu stellen. Der Ehrliche, der Demütige – das klingt sympathisch.

Aber genau hier stellt mich diese Geschichte in Frage.

„Für wen mache ich das hier eigentlich?“

Geht es mir darum, dass etwas gut wird? Oder darum, dass ich am Ende besser dastehe als andere?

Gott verlangt nicht, dass wir uns klein machen. Aber er lädt uns ein, aufzuhören, uns über andere zu erheben. Vor ihm stehen wir nicht in Konkurrenz zueinander.

Ich möchte mir diese Frage immer wieder stellen: „Für wen mache ich das hier eigentlich?“ Und mich dabei ertappen.

Karola Hackenbracht, Köln

 
 
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