Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich. Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede! Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel. (Ps 17 (16), 6.8)
Der Eröffnungsvers aus der Tagesliturgie trägt eine eigene Tonalität: Vertraut, offen, nah, fast zärtlich. Der Ton ist wie im Spiel zweier Liebender, deren Sprache ausdrückt: Ich höre dir zu. Du bist mir in allem wichtig, kostbar und wertvoll. Du bist es, die/den ich schützen, begleiten und geborgen wissen will.
Mensch: Stell dir vor, das ist Gottes Haltung zu dir! Ein Liebender, der zärtlich in deiner Nähe ist, auf deine Bedürfnisse mütterlich eingeht und vor allem will, dass du lebst, dass es dir gut geht. Dir, mir und den anderen. Hier offenbart sich eine maßlose göttliche Liebesfähigkeit, die nur ein Ziel kennt: den Menschen, dich und mich als Gegenüber göttlicher Zuneigung.
Ich persönlich habe lange gebraucht, um DAS ins glaubende Gefühl zu bekommen, nach den Prägungen harter Vatergegenwart und drückender kindlicher Gebetserfahrungen, die vom richtenden, strafenden, verurteilenden Gott sprechen. Viel innerlich gearbeitet, um diese Vatererfahrung Jesu Christi zu adaptieren: Er baut mit unendlichem Vertrauen sein Leben auf diesen Gott auf und beendet es. Er nennt ihn zärtlich ‚Abba, Papa, Väterchen‘, nicht abhängig, klein und demütig, sondern stark, mutig, frei und in eigener Größe dem großen Gott verwandt.
Vielleicht ein Tag, um persönlich neu hinzuschauen: Gott, wer und wie bist DU für mich…?
Maria Adams, Geistliche Leitung KOLPING Deutschland |