Autor/in: Michael Inden, Diözesanpräses der KAB im Erzbistum Köln
͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌   ͏ ‌  
 
head-nl
 

27. Februar 2026

 
Verzicht schafft Raum
 

Fasten heißt verzichten. Weniger essen, weniger kaufen, weniger reden vielleicht. Doch im Verzicht geht es nicht nur um das, was fehlt – sondern um das, was sichtbar wird, wenn etwas fehlt. Manchmal begegnet uns gerade dort Gott. 


Folgende Kurzgeschichte kann das verdeutlichen: „Eine Frau beschloss in der Fastenzeit, jeden Morgen auf ihr gewohntes Radio zu verzichten. Keine Nachrichten, keine Musik, keine Stimmen. Am ersten Tag war es still und ungewohnt. Am zweiten Tag griff sie doch fast wieder zum Schalter. Am dritten blieb sie einfach sitzen, mit einer Tasse Tee am Fenster. Sie hörte plötzlich Dinge, die immer da gewesen waren: das leise Knacken der Heizung, Schritte im Treppenhaus, einen Vogelruf zwischen den Häusern. Und mitten in dieser unspektakulären Stille spürte sie einen tiefen Frieden. „Vielleicht,“ sagte sie später, „war Gott nicht neu da. Ich war nur endlich da.“


Verzicht schafft Raum. Nicht nur im Kalender oder im Kühlschrank, sondern im Inneren. Wo wir Gewohntes loslassen, müssen wir uns nicht sofort füllen – wir dürfen warten. Und in diesem offenen, ungefüllten Raum geschieht Begegnung. Vielleicht ist Fasten genau das: Gott nicht suchen im Mehr, sondern ihn wahrnehmen im Weniger. Dort, wo es still genug wird, dass etwas Größeres zu Wort kommen kann.

Michael Inden, Diözesanpräses der KAB im Erzbistum Köln

 
 
» Der Impuls als PDF